Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes


Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Berlin

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Inhalt: Das Wasserwerk im Park von Babelsberg

Als sich Mitte des 19. Jahrhunderts mit Karl Friedrich Schinkel, Friedrich Ludwig Persius und Johann Heinrich Strack gleich drei Architekten aufmachten, dem Prinzen und späteren Kaiser Wilhelm I. und seiner Gemahlin Augusta mit Schloss Babelsberg einen Sommersitz im Burgenstil zu kreieren, wurde für eine zukünftige Parkgestaltung vor allem der Bau einer Bewässerungsanlage wichtig.

Peter Joseph Lenné, der bereits im Frühjahr 1833 mit der Anlage von Wegen und mit Anpflanzungen auf den sandigen Babelsberger Höhen begonnen hatte, forderte vergebens eine angemessene Pflege. Nachdem die Schrift „Unterthänigste Promemoria“ 1842 kritische Töne anschlug, wurde Lenné die Zuständigkeit entzogen und der „Meister des kurzen Rasens“, Hermann Fürst von Pückler Muskau, mit der weiteren Gestaltung beauftragt.

Persius, der „Architekt des Königs“, setzte Ehrgeiz und Phantasie ein, um den dringend erforderlichen und inzwischen „genehmigten“ Versorgungsbauten eine gefällige Form zu geben, die sich sorgsam in die Potsdamer Gartenlandschaft integriert. Da sich heutzutage kaum jemand für eine herausragende Verbindung von moderner Technik und architektonischer Schönheit interessiert, weil für einige wenige neue (kurzfristige) Arbeitsplätze nur noch geklotzt und obendrein gefördert wird, kann der beispielhafte Hinweis auf das in den Jahren 1843 und 1844 geschaffene Wasserwerk von Persius nicht schaden, weil der Bau neben seinem konkreten Zweck, nämlich Parkanlagen mit Wasser zu versorgen, auch noch den Charakter eines Kunstwerkes erfüllt.

Das im maurischen Stil konzipierte Gebäude mit dem hohen, zinnenbewehrten Turm, in dem Persius schließlich doch nichts weiter als den Schornstein verborgen hatte, korrespondiert in seinen Anklängen an mittelalterliche Burgen mit dem neogotisch gestalteten Schloss oben auf dem Babelsberg. Bis heute stellt es in dieser Parklandschaft einen geradezu klassischen Blickfang dar.

Während der „Architekturführer Bezirk Potsdam“ den Bau verschweigt, erläutert Hans-Joachim Giersberg im „Tourist Stadtführer“ die Funktion: „Eine Dampfmaschine drückte das Havelwasser in zwei Bassins oberhalb des Schlosses. Von dort aus floss es zu zwei Seen (der in der Höhe von Nowawes ist trockengelegt), diente dem Wuchs der Gehölze und speiste vor allem die größte der Fontänen, den „Geyser“ (40 m hoher Strahl), einige Meter vom Ufer entfernt vor dem Schloss in der Havel.“

Mit der Mauer lag das Dampfmaschinenhaus im Grenzstreifen, im Schilf der Stacheldrahtzaun, dahinter der betonierte Kolonnenweg. Nach der Sprengung des alten „Bürgershof“ gegenüber in Klein Glienicke war 1971 ähnliches auf der Babelsberger Seite zu befürchten. Der Bau hat die Zeit überlebt, wohl vor allem deshalb, weil er für die Grenztruppen der NVA einen idealen Beobachtungsposten hergab. Nach dem Mauerfall konnte dieser nördliche Uferbereich, der durch den Mauerstreifen vom Park abgetrennt und weitgehend zerstört war, wieder hergestellt und in den Park einbezogen werden.

Dem restaurierungsbedürftigen Maschinenhaus von Persius an der Glienicker Lake war diese Zuwendung bisher leider nicht vergönnt. Das ist bedauerlich, weil den Feierlichkeiten zum einhundertjährigen Jubiläum des Teltowkanals nun die richtige Ouvertüre fehlt.