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Inhalt: Vom Ullsteinhaus zum Modecenter

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Unter diesem bis heute erhaltenen Markenzeichen wurden neben den Büchern der Verlage Ullstein und Propyläen die „Berliner Zeitung am Mittag“ (BZ), die „Berliner Illustrierte Zeitung" und die „Berliner Morgenpost" produziert. Ab 10. April 1927 gab Chefredakteur Ehm Welk, Autor der „Heiden von Kummerow“, mit dem Wochenblatt „Die Grüne Post“ die millionenfache „Sonntagszeitung für Stadt und Land" heraus. Der Pianist Artur Schnabel konzipierte die „Tonmeister-Ausgaben", Kurt Tucholsky den „Uhu“ und Bertolt Brecht erhielt monatlich 600 Mark für die Verpflichtung, seine dramatischen, erzählenden und lyrischen Werke zuerst dem Ullstein Verlag vorzulegen.

Das Medienhaus war einflussreich und den Nationalsozialisten schon vor 1933 ein Dorn im Auge. 1934 gaben die Ullsteins dem Druck nach. Dem „Verkauf" folgte die Emigration der jüdischen Familie. Aus dem Familienunternehmen Ullstein Verlag wurde der „Deutsche Verlag" unter Aufsicht von NSDAP und Reichsschrifttumskammer.

Bevor die amerikanische Militärregierung das Erbe 1946 als „Verlag des Druckhauses Tempelhof. Vorm. Deutscher Verlag Berlin" zu neuem Leben erwecken konnte, hatten die Sowjets alle Maschinen abtransportiert. In US-Lizenz erschienen dann „Allgemeine Zeitung", „Der Abend", „Der Tagesspiegel", „Neue Zeitung", „Die Welt", „Radio-Revue" und das Frauenmagazin „Sie".

Die Rückgabe an die Familie Ullstein erfolgte 1952. Acht Jahre später erwarb Axel C. Springer den Verlag. Er verlegte die Druckerei in die Kochstraße und baute unmittelbar an der Mauer im traditionellen Zeitungsviertel von Berlin das Springer-Hochhaus. Das „Druckhaus Tempelhof" geriet ins Abseits.

In den folgenden Jahren verdiente Springer mit Bild bis BZ tatsächlich das Geld, aus dem der von ihm berufene Wolf Jobst Siedler als Chef der Ullstein-Buchverlage Bleibendes entstehen lassen konnte. Siedler holte sich Berater wie Joachim C. Fest, Dieter Groh, Johannes Gross, Joachim Kaiser und Hans Schwab-Felisch. Es erschienen die Memoiren von Albert Speer und die Hitler-Biographie von Joachim C. Fest. Aus der Zeit danach gibt es eigentlich nur zu berichten, dass Springer die Buchverlage im Jahre 2003 an den schwedischen Bonnier-Konzern verkauft hat.

Bereits 1985 hatte die Berliner Firma Becker & Kries das Areal „Druckhaus Tempelhof“ erworben. Zwei Jahre später entstand als Tochtergesellschaft die „Mode Center Berlin Management Verwaltungs GmbH“. Innerhalb des Zentrums sollen Existenzgründer „neben günstigen Mieten die Möglichkeit erhalten, Kosten zu senken, indem Gemeinschaftseinrichtungen genutzt werden“. Interessenten dürften vorhanden sein, da die Hauptstadt neben der traditionellen Modemesse „Berliner Durchreise“ inzwischen mit den Ausbildungsstätten Esmod, Fachhochschule für Technik und Wirtschaft, Hochschule der Künste, Kunsthochschule Weißensee, Lette Verein und Modeschule Berlin aufwarten kann.

Und so kam es, dass in der Euphorie der Wendezeit ein Wettbewerb für einen mehrteiligen Ergänzungsbau entlang des Teltowkanals ausgeschrieben wurde. Den Zuschlag erhielten die aus Österreich stammenden und in Berlin lebenden Architekten Johanne und Gernot Nalbach. Die Baumeister, die sonst für Respekt vor „Fragmenten der gewachsenen Stadt“ plädierten, haben den „Neubau an den Bestand angepasst“. Neben dem klassischen Ullsteinhaus steht nun ein Baukörper, der einfallsloser nicht hätte geraten können. Erfunden ist da nichts, allerhöchstens nachempfunden, wie Architekten und Stadtplaner so etwas heute nennen. An den rötlichen Klinker des Ullsteinbaus schließt sich nahtlos ein mit rötlichem Sandstein verkleidetes Gebäude an. Da laut Nalbach „das Verfallsdatum spektakulärer städtebaulicher Zitate immer kürzer wird“, bleibt die Hoffnung auf eine bessere Zukunft am Teltowkanal.

Bis dahin offeriert das „Mode Center Berlin“ als Ausstellungs- und Orderhaus für Bekleidung, Schuhe, Accessoires auf 55.000 Quadratmeter Nutzfläche 250 eingemietete Modefirmen mit 750 verschiedenen Kollektionen.