Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes


Wasser- und Schifffahrtsamt Berlin

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Inhalt: Treideln

.... Fortsetzung

Der Schleppzug selbst wurde in verschiedenster Weise zusammengestellt: er bestand abwechselnd aus 2 westlichen Normalschiffen von 600 t Finowschiffen bzw. Oder- und so genannten Berliner Maßkähnen von rd. 250 t, welche in verschiedenster Form, kurz und lang, hinter- und nebeneinander gekuppelt, zum Teil in freier Fahrt, zum Teil über am Ufer liegende Hindernisse (leere Schiffe) in verschiedenen Geschwindigkeiten geführt wurden.

Über die Einzelheiten der für die Durchführung des Schleppbetriebes endgültig getroffenen Einrichtungen sei nun folgendes bemerkt: Soweit irgend möglich, ist der Schleppbetrieb vom festen Ufer aus mittels elektrischer Lokomotiven eingerichtet; ausgeschlossen ist derselbe auf der untersten Kanalstrecke von der Glienicker Lake bis zur oberen Einmündung des Kanals in den Griebnitzsee, sowie oberhalb der Schleuse innerhalb des Schleusenoberhafens und des Machnowsees, auf welchen beiden Strecken aus örtlichen und landschaftlichen Gründen die Durchführung von Treidelwegen, sei es am Ufer, sei es auf etwa einzubauenden Leinpfadbrücken, unmöglich ist. Betriebstechnisch wird daher der Treidelbetrieb in 4 getrennten Abschnitten geführt:

1. Glienicker Lake bis zur Kanalmündung in den Griebnitzsee, rd. 3 km lang, Propellerbetrieb

2. vom oberen Ende des Griebnitzsees bis zur Schleuse, rd. 5 km lang, Lokomotivbetrieb

3. von der Schleuse bis oberhalb des Machnowsees, rd. 1,5 km lang, Propellerbetrieb

4. vom Machnowsee bis zur oberen Kanalmündung bei Grünau, rd. 28 km lang, Lokomotivbetrieb.

Die Lokomotiven durchfahren die Strecke 2 bzw. 4 in voller Länge und im Ringbetrieb. An den Endpunkten wird also eine jedesmalige Überführung der Lokomotiven über den Kanal erforderlich. In der Nähe des unteren Endes der Strecke 2 (bei Albrechts Teerofen) und an beiden Endpunkten der Strecke 4 befinden sich Lokomotivübernachtungsschuppen.

Innerhalb der mittels elektrischer Lokomotiven betriebenen Treidelstrecken erhält der Kanal auf den beiderseitigen 2 m breiten Leinpfaden einen 1 m-spurigen, symmetrischen Vignolesschienenoberbau. Über die Einfahrten der als Stichhäfen ausgeführten Hafenbassins sind nach verschiedenen Systemen im ganzen bisher 8 Leinpfadbrücken mit Spannweiten zwischen 20,0 m und 56,0 m in Eisen konstruiert. Eine Ausnahme machen die am oberen Ende des ehemaligen Teltowsees gelegenen Leinpfadstege, welche zur Überbrückung der dort im Interesse des Eiswerks und der Kadettenschwimmanstalt belassenen Ausbuchtungen dienen und in normaler Leinpfadhöhe als einfache Holzjochbrücken ausgeführt wurden.

Die Lokomotive ist derart konstruiert, dass sie einen Schleppzug von 2 westlichen Normalkähnen von je 600 t Tragfähigkeit oder 4 Finowkähnen bzw. östlichen Normalschiffen von durchschnittlich 250 t Ladungsfähigkeit mit 4 km Geschwindigkeit in der Stunde zu befördern in der Lage ist.

Die Lokomotive hat eine Länge von 6,88 m und eine Breite von rd. 1,65 m. Die zur Durchführung des Schleppbetriebes zu beschaffenden Betriebsmittel sind zunächst für einen Jahresverkehr von 2.000.000 t berechnet. Es ist hierfür die Beschaffung von 20 Lokomotiven für rd. 1200 kg größte Dauerzugkraft bei 4 km Fahrgeschwindigkeit sowie von 6 Schleppbooten von 100 PS erforderlich.

Der Betrieb ist nun in der Weise gedacht, dass die für den Kanal bestimmten Schiffe in der Glienicker Lake mittels Propellers bzw. in Grünau mittels elektrischer Lokomotive aufgenommen und ununterbrochen nach festem Fahrplan durch den Kanal bzw.. an ihre Bestimmungsstelle geführt werden.

Der Schlepptarif ist noch nicht endgültig festgelegt. In Aussicht genommen ist für den Durchgangsverkehr die Erhebung einer Gebühr je Tonne Nutzlast von 15 Pfennig für die ganze Kanalstrecke. Für den Ortsverkehr ist die Erhebung einer Gebühr von 0,5 Pfennig je Tonnenkilometer beabsichtigt. Es ist ohne weiteres klar, dass die Kosten des Schleppbetriebes im wesentlichen von der Stärke des Verkehrs abhängen.

Christian Havestadt, 1906 (Auszug)

Nachtrag

Bis 1945 gab es auf dem Teltowkanal (eigentlich) keinen Motorschiffsverkehr. Vierzig Jahre lang wurden die Kähne „getreidelt“ (lat. „tragulare", schleppen, ziehen). Durch die Zerstörungen im Weltkrieg konnte die Treidelbahn nicht wieder in Betrieb genommen werden. Die sowjetischen Besatzungstruppen brachten durch Demontage das endgültige Aus. Bisher nicht verloren gegangen sind zwei Lokomotiven: Eine davon steht in einem Pavillon an der Emil-Schulz-Brücke in Lichterfelde am Teltowkanal Kilometer TeK km 17,01.