Inhalt: Vom Teltow nach Europa
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Mit dem Blick auf die Historie erscheinen die markigen Worte des heutigen Bahn-Konzerns in einem anderen Licht. Sechzehn Jahre nach der Wiedervereinigung, um nur bei dem einst schon vorhandenen Streckennetz zu bleiben, fällt die Bilanz von DB und S-Bahn (zumindest für den Teltower Bereich) nicht gerade rosig aus.
Seit 2005 fährt die S 26 (nur eingleisig) nach Teltow-Stadt. Die neue Strecke nimmt kurz nach Lichterfelde Süd die Kurve zur Teltower Ortsmitte. Ein Weiterbau nach Machnow-Süd, Stahnsdorf und weiter über Stahnsdorf-Friedhof bis Dreilinden wäre durchaus möglich, obwohl auf Teilstücken der seit dem frühen 20. Jahrhundert freigehaltenen Trasse durch die kurzsichtige Bauleitplanung der Gemeinde Stahnsdorf und einem im 16. Einheitsjahr noch immer nicht vorhandenen Flächennutzungsplan einige Flächen „problematisch“ würden.
Da sich die Teltower S-Bahn-Euphorie bisher in überschaubaren Grenzen hält, darf daran erinnert werden, dass früher die S-Bahn-Züge von Lichterfelde-Süd parallel zur Anhalter Bahn bis zur Endstation S-Bahnhof Teltow (Heinersdorf) fuhren. Geplant und bis 1943 im Bau war die Verlängerung nach Teltow-Süd, Großbeeren-Nord, Großbeeren und weiter bis Ludwigfelde.
Die S-Bahn-Strecke zwischen Potsdam und Wannsee ist teilweise eingleisig, so dass eine eigenständige Linie von Potsdam über Charlottenburg zur Berliner Mitte wohl noch immer nicht möglich ist. Und schließlich gab es noch die Gleise der Stammbahn mit einer Verbindung vom S-Bahnhof Zehlendorf über Düppel, Kleinmachnow und Dreilinden nach Griebnitzsee. Nicht zu vergessen die S 2 nach Blankenfelde, deren Endstation einst der S-Bahnhof Rangsdorf war - mit Plänen für eine Verlängerung nach Zossen.
Ein bisschen ist es schon so, dass die Deutsche Bahn über ihre Prestigeprojekte die Verästelung in und mit der Umgebung vernachlässigt hat. Aus dem Spinnennetz wurde ein „Pilzkonzept“. Dass eine Nord-Süd-Verbindung für die Fernbahn schön wäre, haben einige schon vorher überlegt. Die Pläne sind also nicht neu. Albert Speer gehörte mit seiner gigantischen Zentralstation „Südbahnhof" irgendwie auch dazu. Aus all diesen Ideen entsteht nun nahe dem Teltow mit dem „Bahnhof Südkreuz“ der zweitgrößte Fernbahnhof Berlins mit Umsteige zur S-Bahn.
Bevor die DB den Lehrter Bahnhof zum „Hauptbahnhof“ umbenannte, sei daran erinnert, dass die 1901 eröffnete Station nach Alexander August Wilhelm von Pape benannt wurde. Der General war für Kaiser Wilhelm II „das Vorbild eines altpreußischen Soldaten" und nach den Herren von Wartensleben, Wrangel, Gneisenau und Möllendorf einer der Gouverneure von Berlin.
Gemocht wurde das aus märkischen Gelbklinkern errichtete Bahngebäude nie, nicht, weil sein burgenhaftes Aussehen hässlich war, es waren die mühsamen Umsteigewege von Ringbahn zu Vorortbahn durch Tunnel und über Treppen. Entstanden ist dieser Kompromiss einst durch Trennung und Gleisverlegung von Fern- und Vorortverkehr der Anhalter und Dresdner Bahn. Fernzüge fuhren hier schon lange nicht mehr. Papestraße war ein S-Bahn-Kreuz. Der Abriss des alten Empfangsgebäudes war nur noch eine Frage der Zeit.
Auf dem Areal entstand auf 140.000 Quadratmetern für mehr als 100 Millionen Euro ein neuer Bahnhof mit 50.000 Quadratmeter überbauter Fläche als Kreuzung für den Fern-, Regional- und S-Bahn-Verkehr der Nord-Süd-Strecken und den Ost-West-Linien der Ringbahn. Ein wirkliches „DB-Südkreuz“ kann es nicht werden, weil sich hier Fernzüge nur mit der S-Bahn kreuzen.
Ab 28. Mai 2006 soll der Bahnhof mehr bringen: ICE Hamburg-Berlin-Leipzig-Nürnberg-München und Berlin-Frankfurt/Main-Stuttgart-Basel, IC Hamburg-Berlin-Dresden-Prag und Stralsund-Berlin-Erfurt-Dortmund, RE Stralsund-Schwedt-Angermünde-Berlin-Wünsdorf-Elsterwerda-Senftenberg, Wismar-Wittenberge-Spandau-Jüterbog und Rostock-Stralsund-Neustrelitz-Gesundbrunnen-Ludwigsfelde-Jüterbog-Falkenberg-Lutherstadt Wittenberg.
In den Teltow geht’s natürlich auch: Über die Brücken des Teltowkanals beim Kilometer TeK km 20,42 mit der S 26 nach Teltow Stadt und beim Kilometer TeK km 21,39 mit der S 2 nach Blankenfelde.