Inhalt: Der größte Schokoladenhersteller der Welt
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Ein schwäbischer Confiseur, der seit 1868 in seinem „Chocoladenhaus Hugo Hoffmann“ feine Pralinen, Fondants und Fruchtpasteten aus eigener Herstellung feilbot, erwarb 1881 den Neumannschen Handel. Von nun an gab es in der Mohrenstraße Süßigkeiten unter dem Namen „Sarotti“. Zwei Jahre später nahm er den Kaufmann Paul Tiede als Teilhaber auf. Sie gründeten offene Handelsgesellschaften und firmierten für die Produktion als „Hoffmann & Tiede" und für den Handel als „Felix und Sarotti". Die florierende Schokoladenfabrik expandierte, bezog größere Räume in der Belle-Alliance-Straße (Mehringdamm), kaufte Grundstücke der Essigfabrik Kühne dazu und schaffte 1903 die „Sarotti Chocoladen- und Cacao-Aktiengesellschaft" mit über tausend Mitarbeitern.
Als auch die Kreuzberger Flächen nicht mehr ausreichten, begannen die Eigentümer mit dem Bau einer neuen Produktionsstätte auf 47.500 Quadratmetern in der Tempelhofer Teilestraße – direkt am Teltowkanal und mit Anschluss an die Rixdorf-Mittenwalder-Eisenbahn. Die Eröffnung ihrer „Sarotti AG" im ersten Halbjahr 1913 erlebten sie nicht mehr.
Max Hoffmann, der Sohn des Firmengründers, führte das Unternehmen weiter. Vor dem fünfzigjährigen Jubiläum des Unternehmens engagierte er den Grafiker Julius Gipkens, der mit seinem Werbeplakat für das Hamburger „St. Pauli-Actien-Bier“ seit 1913 Furore machte. Wahrscheinlich kam Gipkens auf die Idee, an die erste Fabrikationsstätte in der Mohrenstraße zu erinnern. Jedenfalls wurde am 2. November 1922 eine der bis heute bekanntesten deutschen Marken als neues Zeichen der „Sarotti AG“ in das Schutzregister eingetragen: Der Sarotti-Mohr.
Dieser erste Mohr kam gleich zu dritt, trug Turban und Tablett, und erinnerte als herrschaftlicher Diener und exotischer Genussbringer sehr an die mit der Weimarer Republik untergegangene Kolonialzeit des deutschen Reiches. Reklameschilder aus Emaille und Figuren aus Porzellan flankierten das Geschäft - bis heute gefragte Souvenirs.
Am 20. Januar 1922 zerstörte ein Großbrand das Tempelhofer Werk. Anton Kanold, selbst Schokoladenfabrikant und Großaktionär der Sarotti-Aktiengesellschaft stellte sein Schöneberger Werk als Ausweichquartier zur Verfügung. Er löste Max Hoffmann im Vorstand ab und organisierte den Wiederaufbau des Produktionsbetriebes. Die Weltwirtschaftskrise führte schließlich dazu, dass die Schweizer Nestlé AG 1929 die Aktienmehrheit an der Sarotti AG übernahm. Im Gegenzug erhielt die Firma das Recht zur Lizenzfertigung der Schweizer Schokoladen „Cailler", „Gala Peter", „Kohler" und „Nestlé".
In den Wirtschaftswunderjahren wurde Sarotti ungeheuer populär: „Vielen Dank, singt man im Chor, vielen Dank, Sarotti-Mohr." Nach der deutschen Wiedervereinigung gab Nestlé - nun mit „Good Food, Good Life“ weltweit ausgerichtet - am 1. Januar 1998 „Sarotti“ an die Kölner „Stollwerck AG“ ab. 2002 gehörte Stollwerk dem Schweizer Konzern „Barry Callebaut“.
Noch ist der Mohr von Sarotti in den Regalen, nicht mehr schwarz und servierend, sondern auf einer Mondsichel und mit Sternen jonglierend. Das Schokoladenwerk von Sarotti und Nestlé am Teltowkanal schloss 2004 seine Pforten. Übrig geblieben sind denkmalgeschützte Industriebauten und fünfhundert Leute ohne Arbeit.