Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes


Wasser- und Schifffahrtsamt Berlin

Hier gelangen Sie direkt zum Inhalt der Seite.

 

Hauptnavigation:


Inhalt: Schleusenwärter Wilhelm Heß

.... Fortsetzung

Der Schiffszimmermann aus Ostpreußen kam 1904 in die Gegend, wurde Kanalarbeiter, später Schleusenbauer. Am 2. Juni 1906 dann der große Augenblick: die Eröffnung des Teltowkanals. Von der Havel herauf hielt die Yacht „Alexandria“ mit Kaiser Wilhelm II, dem Teltower Landrat Ernst von Stubenrauch und dem Königlichen Baurat Christian Havestadt Kurs auf die Schleuse. Dort stand, „Seiner Majestät zur Ehre, der Mark zum Nutzen“, das uniformierte Personal bereit, um die Herrschaften vom Unterwasser ins Oberwasser zu hieven. Mit dabei Wilhelm Heß - inzwischen befördert zum Schleusenwärter.

Dieser Tätigkeit ging er über vier Jahrzehnte nach. Sie erforderte neben einer anständigen körperlichen Konstitution vor allem Umsicht und Übersicht. Damals gehörte neben dem Fluten der Schleusenkammer für das Aufwärts und dem Ablassen des Wassers beim Abwärts noch einiges andere zur täglichen Arbeit. Wartung, Instandhaltung und Reparaturen bei Wind und Wetter verlangten tatkräftigen Einsatz. Normalität für die damals zuständige Teltowkanal AG. Längst aber walten die Bediensteten des WSA Berlin in ihrer „Hebstelle“ vor Monitoren und Schaltpulten. Gefordert sind Schleusenwärter heute vor allem an schönen Wochenenden, wenn alles könnende Freizeitkapitäne in der Kammer Chaos anrichten und das ABC mit Bug, Heck, Poller, Strömung, Tauen und Vertauen nicht mehr auf die Reihe bekommen.

Wilhelm Heß, seine Frau Frieda geb. Krull und die Töchter Erna und Käthe wurden damals wenigstens mit einer spektakulären Adresse belohnt: „Machnower Schleuse“. Auf der Nordseite und längs der Schleusenkammer hatte die Familie über dem „Schleusen-Wirtshaus“ ihre Wohnung - bis 1939, da wurde das Gebäude für den Bau der Nordkammer abgerissen.

Als im Februar 1920 von 248 Wahlberechtigten die Wahl zur ersten Gemeindevertretung von Kleinmachnow anstand, wurden vierzehn Bürger „aus Dorf, Siedlung, Bahnwärterhäuser und Schleuse“ auserkoren. Förster Heinrich Funke wurde Gemeindevorsteher und Schleusenwärter Wilhelm Heß Volksvertreter. Nach vier Jahren sah es in Kleinmachnow etwas anders aus. Waren bisher auf großzügig parzellierten Grundstücken prächtige Landhausbauten entstanden, verwirklichten nun mittelständische Familien auf 600 Quadratmetern ihren Traum vom eigenen Heim im Grünen. Die Siedlung war gewachsen, die Einwohnerzahl gestiegen. Zwischen alten und neuen Kleinmachnowern brachen Gräben auf. 1924, bei der nächsten Wahl, war Wilhelm Heß, der Alteingesessene, nicht mehr dabei.