Inhalt: Das Schleusengehöft
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Der Hauptzugang zum Schleusenwirtshaus erfolgt von der über das Unterhaupt führenden Straßenbrücke, und zwar durch die Eingangshalle, welche den Treppenaufstieg zu der über das Unterhaupt führenden Aussichtsgalerie enthält. Im Anschluss an diesen Vorraum befindet sich links die Diele mit einer zu dem oberen Saale führenden frei eingebauten Treppe. In unmittelbarer Verbindung mit der Diele stehen die Gasträume sowie Schenke und Anrichte.
Das Obergeschoss enthält im Anschluss an den auch oben durchgeführten Dielenvorraum einen Saal von 21,5 m Länge und 10 m Breite, ein daneben liegendes Zimmer von rd. 58 qm Größe und, in gleicher Lage wie unten, die Schenke und Anrichte. Im Dachgeschoss befinden sich außer der Wohnung des Wirts, Schlafräume für Dienstboten, sowie mehrere Fremdenzimmer.
Das eigentliche Dienstgebäude besteht aus 2 Teilen, deren ersterer, der Zwischenbau, an den Hauptbau parallel der Schleusen-Längsachse sich anschließt; er enthält im Erdgeschoss Geräte- und Magazinräume für Schleusenbetriebszwecke, im Obergeschoss den Schlafraum für die unverheirateten Schleusenknechte, sowie 2 Diensträume für die Betriebsverwaltung. Im Dachgeschoss befinden sich Trockenboden, Waschküche, Plättzimmer und Baderaum, sowohl für die Zwecke des Wirts, wie auch der im Schleusengehöft wohnenden Beamten.
In dem weiter anschließenden östlichen Endbau befinden sich im Erdgeschoss die Wohnungen für 2 verheiratete Schleusenknechte. Der Zugang zu diesen Wohnungen, welche getrennte Vorflure erhalten, erfolgt mittels gemeinschaftlichen Eingangs von der Schleusenplattform aus. Das Obergeschoss enthält eine geräumige Dienstwohnung für den Schleusenmeister.
Rings um das Schleusengehöft befinden sich Gartenanlagen mit Grotten und einer sorgfältig ausgewählten Flora, reichlich schattige Sitzplätze für einen Sommerwirtschaftsbetrieb zugleich bietend.
Der im Oberwasser anschließende nördliche Leinpfad, der für den elektrischen Treidelbetrieb hierselbst unbenutzt bleibt, ist zu einer baumbepflanzten, bis zum Machnowsee reichenden breiten Promenade ausgebaut. Auch auf der Südseite der Schleuse befinden sich Gartenanlagen, welche zugleich bestimmt sind, später Unterstandsräume für Personenfuhrwerk aufzunehmen. Der Versuch, ein Schleusenbauwerk zugleich zu einer wirtschaftlichen und einer Art architektonischen Anlage auszugestalten, dürfte bei der Machnower Schleuse zum ersten Male gemacht sein.
Der Umstand, dass das Bauwerk in wasserbau- und betriebstechnischer Beziehung manche Neuheiten und Eigenheiten zeigt, dass die landschaftlich reizvolle Lage und die Nähe der Großstadt Berlin einen besonderen Anreiz geben, endlich die Tatsache, dass sich hier, wie kaum an irgend einer anderen Stelle im binnenländischen Wasserstraßennetze, in Zukunft ein bedeutender Verkehr abwickeln wird, mögen die reichere Ausgestaltung der Schleusenanlage und die für sie bewilligten nicht unerheblichen Mehrausgaben auch in den Augen derjenigen rechtfertigen, welche geneigt sind, aus praktischen Erwägungen heraus, einem so genannten Nutzbau auch nur notwendige oder rein nützliche Aufwendungen zuzubilligen.
Christian Havestadt, 1906 (Auszug)
Nachtrag:
Das „Schleusen-Wirtshaus“ musste 1939 der neuen Nordschleuse weichen. Nach dem Abriss des Schleusengehöfts wurde nebenan und gegenüber dem „Restaurant zur Schleuse“ der „Schleusenkrug“ errichtet. Daraus wurde am 1. September 1951 eine Bildungseinrichtung. Heute ist dort das Berufsbildungszentrum des Wasser- und Schifffahrtsamtes Berlin untergebracht.