Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes


Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Berlin

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Inhalt: Neubabelsberg, Ufastadt, Griebnitzsee

.... Fortsetzung

Fünf Jahre nach der Wiener Weltausstellung wurde als Empfangsgebäude des Bahnhofs jener Holzpavillon von Kyllmann & Heiden installiert, der an der Donau als Deutsches Haus das junge Kaiserreich repräsentierte. Das heutige Gebäude wurde 1931 von Reichsbahnoberrat Richard Brademann entworfen. Brademann, der 1884 in Halberstadt geboren wurde und an der Technischen Hochschule Charlottenburg Architektur studierte, übernahm 1920 ein Hochbaudezernat der Deutschen Reichsbahn. Zwischen Weimarer Republik und Zweitem Weltkrieges schuf er ein Erscheinungsbild der Berliner S-Bahn, dessen Einheitlichkeit noch heute überrascht. Neben Stellwerken und Wagenhallen entwarf Brademann S- und U-Bahnhöfe, darunter Wannsee, Sundgauer Straße, Westkreuz, Feuerbachstraße, Bornholmer Straße, Humboldthain. Die Verwendung von rotem Klinker wurde sein Markenzeichen, Stahl und Glas kamen hinzu, die Materialien einer „Neuen Sachlichkeit“ für Zweckbauten

Nachdem in den Apriltagen des Jahres 1945 die Teltowkanalbrücke bei Kohlhasenbrück im Kampf um Berlin gesprengt wurde, ruhte der S-Bahn-Verkehr auf der 9,8 Kilometer langen Strecke zwischen Zehlendorf und Babelsberg-Ufastadt bis zum 15. Juni 1948. Danach geriet auch der Bahnhof Griebnitzsee in den „Kalten Krieg“: Unterbrechung und Wiederaufnahme des Interzonen- und Militärdurchgangsverkehrs während der Berliner Blockade, Einstellung des S-Bahn-Verkehrs, Dieseltriebverkehr auf den S-Bahngleisen zwischen Griebnitzsee und Potsdam, später nur noch zwischen Babelsberg und Potsdam. Nach dem Bau der Mauer wurde der Bahnhof für den S-Bahn-Verkehr gesperrt.

Traurige Berühmtheit erlangte der Bahnhof Griebnitzsee in der Zeit zwischen dem 22. Oktober 1961 und dem 22. Januar 1990 als Grenzübergangsstelle des Transitverkehrs für sämtlichen Personen- und Militärverkehr von und nach Westdeutschland. Die Kontrollstelle war von der Umgebung hermetisch abgeriegelt. Schon im Vorfeld machten die parallel zu den Gleisen errichteten Betonmauern Einsicht und Aussicht, geschweige denn einen so genannten „unberechtigten“ Ein- und Ausstieg, unmöglich. Jeder einfahrende Zug wurde von bewaffneten Grenzsoldaten umstellt. Selbstverständlich gab es auch hier beidseitig einen Kolonnenweg. Auf dem Mittelbahnsteig stand der grenzübliche Kontrollturm, mit Wachhunden wurde das Fahrgestell nach Flüchtenden abgesucht. In der Anfangszeit wurde im stehenden Zug kontrolliert. Um die Wartezeiten etwas zu verkürzen, stiegen die Kontrolleure an den so genannten GÜSt der Bahnstationen Gerstungen, Marienborn, Probstzella und Griebnitzsee später nur zu und führten die Kontrollen während der Fahrt durch die DDR durch.

Kontrolliert wurde von hoch qualifizierten Passkontrolleinheiten (PKE), die dem Ministerium für Staatssicherheit unterstanden, aber Uniformen der Grenztruppen des Verteidigungsministeriums der DDR trugen. Als nach dem Mauerfall die Strecke von Wannsee nach Potsdam-Stadtbahnhof am 22. Januar 1990 vorübergehend mit Dieselzügen wiedereröffnet wurde, gab es wieder eine Station Griebnitzsee, auf der Züge bestiegen oder verlassen werden konnten. Von ihren Prozeduren, die sich nun Zählkarten nannten, konnten sich die Kontrolleure nur allmählich lösen.

Seit dem 1. April 1992 existiert „Griebnitzsee“ wieder, als Bahnhof der Berliner S-Bahn und Regionalbahnhof der Deutschen Bahn. Aufgefrischt wurde das Gebäude von Richard Brademann inzwischen auch, neue Bahnsteigüberdachungen und ein zweiter Zugang kamen hinzu. Vielmehr brauchte es nicht. Erstaunlich, dass dieses Haus diese Geschichte so gut überstanden hat.