Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes


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Inhalt: Landrat Ernst von Stubenrauch

Fortsetzung.......

Hineingeboren wurde Ernst Leberecht Hugo Georg Colmar Stubenrauch am 19. Juli 1853 in eine Familie, die bereits seit dem 15. Jahrhundert zahlreiche kommunale und städtische Verwaltungsbeamte hervorgebracht hatte. Sein Vater Hugo war Kreisrichter im Regierungsbezirk Frankfurt (Oder), die Familie mit Mutter Pauline, der gleichnamigen Schwester und dem jüngeren Bruder Georg lebte damals in Sagan, das heutige Zagan.

Der Umzug nach Berlin, wo der Vater eine Praxis als Rechtsanwalt eröffnete, erfolgte 1860. Ernst besuchte das Friedrichswerdersche Gymnasium und nahm im Frühjahr 1870 das Studium der Kameralistik, Volkswirtschaft und Rechtswissenschaft an der Universität Heidelberg auf. Doch bereits am 19. Juli trat er den einjährig-freiwilligen Militärdienst im Garde-Füsilier-Regiment an und nahm im deutsch-französischen Krieg an der Belagerung von Paris teil.

Der knapp 18-Jährige setzte 1871 sein Studium an der Friedrich-Wilhelm-Universität zu Berlin fort und bestand 1875 in der Wiederholungsprüfung das Referendarexamen. Nach der großen juristischen Staatsprüfung im November 1879 konnte die Karriere starten. Den entscheidenden Schritt tat Stubenrauch im August 1880. Er wurde Regierungsassessor der allgemeinen Verwaltung in Potsdam.

Als Leutnant der Reserve wurde er dem 1. Garde-Regiment zugeteilt und gewann auf diese Weise Zutritt zu den Kreisen des adligen Offizierskorps. In dieser Zeit soll Stubenrauch den jungen Prinzen Wilhelm kennen gelernt haben, den späteren Kaiser Wilhelm II, der ihm zeitlebens in Freundschaft verbunden blieb und seine Projekte stets förderte.

Gegen den Willen des Kreistages, der mit dem Amtsvorsteher von Oppen aus Adlershof einen eigenen Kandidaten präsentierte, schlug der Potsdamer Regierungspräsident den 32-jährigen Stubenrauch 1885 als Landrat des Kreises Teltow vor. Den schwankenden Innenminister Robert von Puttkammer ließ der junge Regierungsassessor wissen: „Wenn Eure Exzellenz den Mut haben, mich hinzuschicken, ich habe den Mut, hinzugehen.“

Aus den Händen des alten Kaisers Wilhelm I empfing Stubenrauch im Schloss Babelsberg am 18. August 1885 seine Bestallung zum Landrat. Was der energiegeladene, im Volksmund familiär, aber respektvoll als „Budenqualm“ titulierte, Verwaltungschef in den folgenden zwei Jahrzehnten im Kreis Teltow vollbrachte, hat die Erwartungen seiner Vorgesetzten weit übertroffen.

Stubenrauch schöpfte die Kompetenzen, die ihm die Kreisordnung von 1872 als Landrat zubilligte, voll aus. Mit eigenem Etatrecht ausgestattet, ging er daran, Chausseen auszubauen und Krankenhäuser zu errichten. Mit der finanziellen Beteiligung an Verkehrsunternehmen, Wasser- und Elektrizitätswerken sicherte er dem Kreis die Kontrolle in zentralen Versorgungsbereichen.

Sein Verständnis von kommunaler Selbstverwaltung ging soweit, dass er den Bau des Teltowkanals, eigentlich eine originär staatliche Aufgabe, allein aus Kreismitteln bestritt. Seinen Kritikern, die vor der gewaltigen Schuldenlast warnten, hielt er die „großen Werte“ entgegen, die „dem Kreis Teltow und seinen Gemeinden reichen Nutzen bringen werden“.

Stubenrauch behielt recht: An den Ufern des Kanals entstanden zahlreiche Industriegelände und Werften. Das für den Treidelbetrieb errichtete Elektrizitätswerk in Schönow machte die Stromversorgung für Straßenbahnen und in zahlreichen Gemeinden erst möglich. Außerdem bildete die Wasserstraße die Grundlage für die kreiseigene Dampfschifffahrt, deren Flotte bald über 25 Dampf- und Motorschiffe verfügte und sich zu einem einträglichen kommunalen Unternehmen entwickelte.

Kaiser Wilhelm II, der den Landrat bei der Einweihung des Kreishauses in Berlin 1891 und des Teltowkanals 1906 mit seiner Anwesenheit ehrte, verlieh Stubenrauch bereits am 1. Januar 1900 den erblichen Adelstitel. Erst dadurch gelang dem Bürgerlichen, der seit 1891 mit der aus dem Hause Genshagen stammenden Freiin Frida von Eberstein verheiratet war, der endgültige Sprung in die Klasse des Adels.

Der Vorgang zeigt, dass Ernst von Stubenrauch trotz seiner modernen Auffassung kommunaler Verwaltung tief im monarchischen System Preußens wurzelte. Er war ein typischer Vertreter eines wilhelminischen Beamten, der zwar die „Hydra der Instanzen“ beklagte, aber eben auch gegen die „demokratische Flut“ und „alle bösen Geister“ antrat, „die an dem gesunden Körper unseres Volkes nagen“.

Seiner Beliebtheit in der Bevölkerung tat dies keinen Abbruch. Der hünenhafte, 1,83 Meter große Landrat mit dem aufgezwirbelten Schnurbart strahlte väterliche Autorität aus. Nach dem Zeugnis seines langjährigen Mitarbeiters Adolf Hannemann, erfreute sich Stubenrauch „in allen Schichten der Kreisbewohner und darüber hinaus höchster Verehrung“.

Der Abschied aus dem Landratsamt, den seine Berufung zum Berliner Polizeipräsidenten am 6. Januar 1908 mit sich brachte, fiel Stubenrauch schwer. Kurz danach verstarb der erst 56-Jährige während eines Kuraufenthaltes an Kehlkopfkrebs. Die Trauerfeier fand in der Berliner Garnisonkirche am 8. September 1909 statt.

An der damaligen Kreisgrenze, dem Tempelhofer Feld, erwartete eine Abteilung berittener Gendarmen den Trauerzug. Auf dem Weg nach Genshagen, wo Ernst von Stubenrauch auf dem Kirchhof gegenüber dem Gutshaus seine letzte Ruhestätte fand, nahmen Hunderte Teltower Kreisbewohner Abschied. Zwischen Tempelhof und Mariendorf überquerte das Geleit den Teltowkanal – letzte Gelegenheit für den Landrat, sein mutiges Werk noch einmal zu grüßen.