Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes


Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Berlin

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Inhalt: Hafen Tempelhof

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Berlins rasante Entwicklung veranlasste damals den Kreis Teltow, mit dem Kanalbau auch besondere Hafenbecken für Groß Lichterfelde, Steglitz, Tempelhof und Britz zu bauen. So entstand am Kilometer TeK km 23,40 zwanzig Jahre vor dem Tempelhofer Ullsteinhaus auf der gegenüberliegenden Nordseite ein Hafen von etwa 170 mal 70 Meter mit einer Wassertiefe von 2,10 Meter. Damit der Treidelbetrieb auf dem Schienenleinpfad, also das Schleppen der Finow- und Odermaßkähne mittels Treidellokomotiven, auch an diesen Stichhäfen durchgehend gewährleistet war, wurde die Hafeneinfahrt mit einer eisernen Leinpfadbrücke überspannt. Die Ein- und Ausfahrten der Kähne konnten in beliebiger Richtung erfolgen. Zusätzlich bekam Tempelhof einen Schiffswarteplatz im Kanalprofil außerhalb der Durchfahrtsstraße.

Die Kreis-Kanal-Kommission setzte durch, dass aus Mitteln des Kreises eine große Speicheranlage am Hafen in Tempelhof errichtet wird. Die Pläne skizzieren sowohl die Anbindung über eine Zufahrtsstraße zur ehemaligen Berliner Straße als einen Gleisanschluss. Gelöscht und geladen wurde an allen drei Hafenseiten, vor allem aber an der 170 Meter langen Kaimauer im Norden. Dort steht das 1908 mehrstöckig und feuersicher errichtete Speichergebäude, 120 Meter lang, 25 Meter breit, davor Kräne mit 6 Tonnen Tragfähigkeit, drei davon sind noch heute da. Gleich daneben die Gleise der Neukölln-Mittenwalder-Eisenbahn mit Anschluss zum Güterbahnhof Teltowkanal. Vom Tempelhofer Damm, der früheren Berliner Straße, gibt es eine Zufahrt über die Ordensmeisterstraße.

Das „Lagerhaus Hafen Tempelhof“ pries in Annoncen die „hellen und luftigen Boden- und Kellerräume zur Lagerung von Getreide und Waren aller Art in jeder gewünschten Größe, eine Getreidequetsche und vorzüglichste Maschinen zur Erhaltung und Verbesserung der Waren. Gesamtlagerfläche 21.000 Quadratmeter“. Zum Service gehörten „Zollabfertigung und zollfreie Niederlage im Lagerhause sowie die Ausstellung indossabler Lagerscheine für Kupfer, Zink und Blei“.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Speicher beschädigt, während der Berliner Blockade vom 24. Juni 1948 bis 11. Mai 1949 um 24.00 Uhr Umschlagplatz der Luftbrücke, während des doch noch andauernden Kalten Krieges Vorratslager des Senats für die Inselstadt. Danach wurde die Anlage von der „Lagerhaus Hafen Tempelhof GmbH“ verwaltet.

Als bekannt wurde, dass die Landkreise Potsdam-Mittelmark, Teltow-Fläming und Dahme-Spree über einen Verkauf nachdenken, begann in Tempelhof-Schöneberg das Gerangel. Ein Architekturbüro plante eine „urbane Mischung aus Kultur, Kommerz und Wohnen", die schwächlich-alternative Ufa-Fabrik sah einen „Hafen der Kulturen" mit Ökokaufhaus, Solaranlage, Jugendherberge, Ateliers, schwimmender Hafenbühne und Biergärten vor.

Die Euphorie am Tempelhofer Teltowkanal ist nun groß, ein Meilenstein soll gesetzt und 80 Millionen Euro investiert werden. Selbst der Wiederaufbau der Leinpfadbrücke über der Hafeneinfahrt ist geplant.