Inhalt: GÜSt Dreilinden
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Wer auf der Transitstrecke von Helmstedt oder Hof am Dreieck Drewitz (AD Nuthetal) nach Berlin wollte, kam an der Grenzübergangsstelle Dreilinden-Drewitz nicht vorbei. Dahinter war die „erste“ Staatsgrenze der DDR, danach das „erste“ West-Berlin. Wie eine schmale Halbinsel schiebt sich vom einzigen westlichen Zugang in Kohlhasenbrück mit dem Zehlendorfer Ortsteil „Albrechts Teerofen“ ein Stückchen Berliner Stadtgebiet entlang des Teltowkanals zwischen Potsdamer Parforceheide und Kleinmachnower Land. An seinem allerletzten östlichen Ende durchquert die Autobahn für 300 Meter das Areal, seit 1940, als die 1921 eröffnete „Automobil-Verkehrs- und Übungs-Straße“ (AVUS), den Anschluss an den Autobahnabschnitt zum Dreieck Drewitz (AD Nuthetal) erhielt. Grenzen spielten damals keine Rolle.
Nach der Autobahnbrücke kam für 3,2 Kilometer bis kurz vor dem Zehlendorfer Kleeblatt (AD Zehlendorf) wieder DDR. Da diese Strecke von Grenzern und MfS nicht „ordnungsgemäß überwacht“ werden konnte, wurde die Autobahn 1969 um „Albrechts Teerofen“ herum weiter ostwärts auf das Kleinmachnower Gebiet verlegt. Für rund 50 Millionen Mark gab es dann nur noch eine Grenze mit einer neuen Grenzübergangsstelle, auf deren 450.000 Quadratmetern inzwischen der „Europarc Dreilinden“ nach eigener Aussage „längst nicht mehr in die Besatzungszone, sondern in die Gewinnzone fährt“.
Ob diese GÜSt oder ihre Vorgängerin Dreilinden-Drewitz, geblieben ist aus den Jahren von 1961 bis 1990 nicht viel. Am Europarc gibt es noch einen Kontrollturm, von dem das „Grenzregiment 44 Walter Junker Potsdam-Babelsberg“ einst die Grenzanlagen „gegen Angriffe" sicherte. Ein bisschen mehr von der Geschichte hat sich bei „Albrechts Teerofen“ erhalten: die Eisenbahnbrücke der Stammbahn, ein Übungsplatz der NVA zwischen Kleinmachnow und dem Wilmersdorfer Waldfriedhof Stahnsdorf, ein Stückchen der ehemaligen Autobahn mit den Markierungen „Pkw, Lkw, Bus“ auf dem Asphalt, am Kilometer TeK km 05,45 die alte Autobahnbrücke über den Teltowkanal und die frühere Autobahnraststätte Dreilinden.
Inzwischen gibt es Leute, die das alles erhalten wollen. Das kann sich nicht einfach gestalten, wenn sich zuvor das Land Brandenburg, der Berliner Senat und die Wasser- und Schiffsfahrtsdirektion des Bundes einigen müssen. Ungeklärte Grundstücksfragen gibt es obendrein.
Hier draußen könnte das erste Abkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR im Vordergrund stehen. Mit dem „Transitabkommen“ von 1971 und einer neuen Ostpolitik wollte die Regierung Brandt/Scheel einen „Wandel durch Annäherung" erreichen. Das „Abkommen zwischen der Regierung der Bundesrepublik Deutschland und der Regierung der Deutschen Demokratischen Republik über den Transitverkehr von zivilen Personen und Gütern zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Berlin (West)“ war gut gedacht. Schikanöse Behandlungen und erhebliche Wartezeiten nahmen auch deshalb ab, weil sich die DDR vertraglich zusichern ließ, dass „im Falle hinreichenden Verdachts eines Missbrauchs der Transitwege die Fahrzeuge durchsucht werden“ können.
Erfuhr man im Westen zwischen 1970 und 1974 noch einiges über geglückte Fluchtversuche im Kofferraum eines Pkws und im Laderaum von LKWs, so wurde im Osten nach 1975 mehr und mehr von verhinderten Grenzverletzungen berichtet. Die DDR hatte sich Elektronik zugelegt, mit denen Fahrzeuge durchleuchtet und versteckte Flüchtlinge entdeckt werden konnten. In den folgenden Jahren wurde diese unter der Deckbezeichnung „Technik 5" verfeinert. Nebenbei wurde in Dreilinden von über 400 Kontrolleuren die Sammlung von Informationen und Daten über Transitreisende ausgebaut. Kurz vor dem Zusammenbruch der DDR wurden dort im Oktober 1989 auch die ersten zehn vernetzten Personalcomputer (Modell EC 1834) mit 16-bit-Technik eingeführt.
Aufzuklären wäre auch die Geschichte eines Denkmals: Der sowjetische Panzer vom Typ T 34 soll am 24. April 1945 als erster die Berliner Stadtgrenze erreicht und kampfunfähig geschossen worden sein. In Zehlendorf soll er zum „Panzerehrenmal" erkoren und 1954 auf DDR-Gebiet umgesetzt worden sein. In Dreilinden soll er 1969 auf das bekannte Podest gehoben worden sein. Nach 1990 soll ihn die abziehende sowjetische Armee mit in die Heimat genommen haben. Seither steht dort die rosa lackierte Baumaschine von Eckhard Haisch. Besser jedenfalls als der damals auf West-Berlin gerichtete Kanonenlauf.