Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes


Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Berlin

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Inhalt: Ein Zipfel Brandenburg auf der Insel Wannsee

.... Fortsetzung

1859 gelangten Schloss und Gut in den Besitz des Prinzen Carl von Preußen. Eigentlich wurde erst 1961 mit dem Bau der Grenzanlagen sichtbar, dass diese beiden Klein Glienicker Eckchen rund um den Böttcherberg nicht zu Wannsee, sondern zu Babelsberg und damit zur DDR gehören. Da die Enver-Pascha-Brücke seit 1945 nicht mehr war, ist der Ortsteil bis heute nur noch durch die Parkbrücke über den Teltowkanal mit der Brandenburger Seite verbunden.

Klein Glienicke wurde wohl ein Abbild der Neigungen und Leidenschaften von Prinz Carl. Er betrieb die Umgestaltung des Dorfes. Nach Entwürfen des Architekten Ferdinand von Arnim, Schinkelschüler und Hofbaumeister, ließ er zwischen 1863 und 1866 jene Schweizerhäuser erbauen, die (zum Teil) nicht nur den Bau des Teltowkanals und den Rückgang der Bäke, sondern auch die Mauerzeiten überlebt haben.

In der hohen Zeit von Bellevue, Belvedere und Schöne Aussicht, als die Schweiz im 18. Jahrhundert zum Synonym für eine nachahmenswerte naturnahe Lebensform wurde, hielt das Holzhaus als idyllische Architekturstaffage auch in dieser Gegend Einzug. Was man in alpinen Gefilden an der einfachen Proportionierung und Gestaltung genossen hatte, sollte nun in dieser Qualität auch hier entstehen. Selbst Schinkel konnte dem mit seinem Gärtnerwohnhaus auf der Pfaueninsel nicht widerstehen. Das „Bayrische Haus“ im Wildpark von 1847 mag als weiteres Beispiel genügen.

Als es den Teltowkanal noch nicht gab, floss die Bäke vom Griebnitzsee am Böttcherberg entlang durch Klein Glienicke, um sich danach der Glienicker Lake zu ergeben. Ferdinand von Arnim bezog dieses Fließ, das seinerzeit eine erheblich größere Wassermenge führte, geschickt in die Architektur ein. In der Waldmüllerstraße sind am Bäkekanal zwei originelle zweistöckige Schweizerhäuser erhalten. Sie stehen immer noch auf einem hohen Kalkbruchsockel, als ob das Wasser der Bäke noch einmal kommen würde, sie haben das typische vorgezogene Schindeldach, als ob die Schneemassen in dieser Gegend jeden Moment hernieder kommen. An einem der Sockel hat der Architekt eine grottenartige Bogenöffnung geschaffen, in die sich das Wasser (idyllisch) hineinziehen sollte. Jetzt, da das Rinnsal verkümmert und der Kanal sich mehr als verkommen präsentiert, ist das keine Augenweide.

Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten betreut heute, so heißt es, „die schönsten Zeugnisse der Kunst-, Kultur- und Architekturgeschichte in Brandenburg-Preußen“. Ein einziger Blick zurück vom Gittertor des Jagdschlosses über Brücke, Bäkekanal und Allee macht bewusst, dass dieses Ensemble aus kurfürstlicher Schlossanlage und wohlgeordnetem Kolonistendorf ziemlich einmalig ist. Ein zweiter Blick von den Höhen des Babelsberger Parks macht die historische Siedlungsstruktur in der landschaftlichen Lage deutlich. Ganz vorzüglich fügen sich Schloss und Dorf in das Tal von Glienicker Lake und dem Beginn des Teltowkanals ein – mehr als eine topographische Qualität.