Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes


Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Berlin

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Inhalt: Geschichte

km 0,06 Abzweigung aus der Spree-Oder-Wasserstraße (SOW) bei km 9,11 bis 1,65 Einmündung in den Westhafenkanal (WHK) bei km 1,41

Der Charlottenburger Verbindungskanal (CVK) beginnt in Höhe der Einmündung des Landwehrkanals (LWK) in die Spree (Spree-Oder-Wasserstraße) und führt in den Westhafenkanal (WHK). Dieser Kanal bietet offensichtlich so geringe Attraktionen, dass die Fahrgastschiffe mit ihren Gästen hier am so genannten „Spreekreuz“ umdrehen oder abdrehen - in den Landwehrkanal.

Charlottenburger Verbindungskanal
Charlottenburger Verbindungskanal 2007, Quelle Google Earth

Bereits 1844 wurde - nach einem Entwurf von Peter Joseph Lenné - der Entschluss gefasst, in dieser Gegend einen Schifffahrtskanal zu bauen. Gebaut wurde der Charlottenburger Verbindungskanal (CVK) jedoch erst zwischen 1866 und 1875 – abweichend vom heutigen Verlauf. In der „Eintheilung und Bezeichnung der Märkischen Wasserstraßen“, 1901 veröffentlicht durch die Königliche Regierung in Potsdam, heißt es dazu: „Charlottenburger Verbindungskanal von der Spree-Oder-Wasserstraße bei km 9,10 abzweigend bis zum Spandauer Kanal (km 7,90 bezw. 8,26)“.

Charlottenburger Verbindungskanal
Charlottenburger Verbindungskanal,Kilometrierung von 1901

Nach der Ernennung Berlins zur Hauptstadt des Deutschen Reiches wurde ersichtlich, dass ein beträchtlicher Teil des Schiffsverkehrs mit den Ziegeltransporten den Weg von der Havel über Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanal, Humboldthafen und Spree in den Landwehrkanal zu den im Werden begriffenen südlichen Vororten zum Ziel hatte. Diese Fahrtroute erwies sich als nicht zweckmäßig: Da war das unübersichtliche Teilstück zwischen Sandkrugbrücke und Humboldthafen, da war an der Einmündung in die Spree das Zusammentreffen mit dem Durchgangsverkehr auf der Spree-Oder-Wasserstraße – und da war schließlich noch bis zum Abzweig in den Landwehrkanal die Fahrt auf der 5,44 Kilometer langen unregulierten Spree.

Charlottenburger Verbindungskanal
Charlottenburger Verbindungskanal 1875, Plan von Werner Natzschka, 1971

Der erste Charlottenburger Verbindungskanal hatte eine Länge von 3,10 Kilometern und eine Breite von 22 Metern. Aus dem Plan von Werner Natzschka ist ersichtlich, dass er vom „Spreekreuz“ unter der Kaiserin-Augusta-Brücke hindurch zunächst nach Norden verlief. Nach den Bahnbrücken mit den Gleisen der Lehrter Bahn, der Hamburger Bahn und der Ringbahn bog die Trasse bei Kanalkilometer 1,40 rechtwinklig ab und lief in östlicher Richtung auf Plötzensee zu. 1901 vermerkte die Königliche Regierung, „1. Abzweigung des Verbindungskanals, Schleuse, Schleusenbrücke, km 2,695“, und meint damit die Einmündung in den Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal, in deren unmittelbarer Nähe 1859 die (erste) Schleuse Plötzensee errichtet worden war, mit der die unterschiedlichen Wasserstände zwischen Havel und Spree ausgeglichen wurden. Eine weitere Schleuse auf Charlottenburger Gebiet war nicht erforderlich, da der Verbindungskanal an die untere Haltung des Landwehrkanals (Unterschleuse) anschloss.

Der Charlottenburger Verbindungskanal erhielt Querschnittsabmessungen, die in etwa denjenigen von Landwehrkanal und Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal entsprachen, gebaut für 170-Tonnen-Schiffe. In den Jahren zwischen 1891 und 1902 wurden die Mängel durch einen weiteren Ausbau korrigiert: Beseitigt wurden „die unter Wasser liegenden flachen Böschungen, angelegt wurden steilere Uferdeckwerke, diesmal aus Klinkermauerwerk, so dass nunmehr selbst größeren Elbkähnen bis 600 Tonnen Tragfähigkeit die Fahrt“ auf der nun 37 Meter breiten Wasserstraße ermöglicht wurde.

Einfahrt in den Landwehrkanal
Rechts Einfahrt in den Landwehrkanal

Während des Zweiten Weltkriegs wurden Kanal und Umfeld stark beschädigt. Im Rahmen eines Notstandsprogramms wurden – wie auf allen Berliner Wasserstraßen - Kampfmittel geborgen, Baggerungen vorgenommen, Brückentrümmer gehoben und Ufer erneuert. 1949 konnte der Schiffsverkehr wieder aufgenommen werden. Ab 1954 kamen die Arbeiten an dem 1938 begonnenen und halbfertigen Westhafenkanal am Charlottenburger Durchstich wieder in Gang. Unmittelbar im Oberwasser der 1888/93 errichteten Schleuse Charlottenburg zweigt diese neue Wasserverbindung noch im Schleusenkanal ab und führt geradlinig mit einer Länge von 2,91 Kilometer direkt auf den Westhafen zu – Breite 52,5 Meter, Wassertiefe 3,50 Meter.

Spreekreuz
Spreekreuz

Die Inbetriebnahme erfolgte am 15. August 1956. Mit dem Westhafenkanal hatten die vom Mittellandkanal und der Havel kommenden Schiffe einen direkten Weg zum Westhafen. Die mühsame Fahrt nach der Charlottenburger Schleuse über die kurvenreiche Spree um den Charlottenburger Schlosspark herum und durch den Charlottenburger Verbindungskanal entfiel. Der Schifffahrtsweg wurde um rund 3 Kilometer abgekürzt. Der Charlottenburger Verbindungskanal mündete nun direkt im rechten Winkel in den Westhafenkanal  und hatte nur noch eine Länge von 1,59 Kilometer.

Nach der aktuellen Kilometrierung sind dem Charlottenburger Verbindungskanal nur noch wenige „Stationen“ geblieben: km 0,06 Abzweigung aus der Spree-Oder-Wasserstraße (SOW) bei km 9,11, km 0,10 WSP Station, km 0,18-km 0,30 Heizölumschlagstelle, km 0,60 Kaiserin-Augusta-Brücke, km 0,50 bis km 1,10 Liegestelle, km 1,10 Sickingenbrücke, km 1,30 Eisenbahnbrücke, km 1,52 Rohrbrücke. km 1,65 Mündung in den Westhafenkanal (WHK) bei km 1,41.

1944,Plan Pharus-Verlag
1944,Plan Pharus-Verlag

1951, Plan Ministerium des Innern der DDR
1951, Plan Ministerium des Innern der DDR

1959,Plan VEB Landkartenverlag
1959,Plan VEB Landkartenverlag

Aus den beiden Stadtplänen wird ersichtlich, dass in den 1950er Jahren beide Kanäle noch eine gewisse Zeit nebeneinander bestanden. Später wurde der überflüssig gewordene Teil des Charlottenburger Verbindungskanals zugeschüttet. Auf dieser Fläche wurde 1965 der Berliner Großmarkt eröffnet. Auf einer Fläche von 330.000 Quadratmetern entstand „das“ Handelszentrum für Obst, Gemüse, Fleisch und Fisch - der „Bauch von Berlin“, von dem aus tagtäglich neben Berlin sowohl das Land Brandenburg als auch Teile Sachsens, Sachsen-Anhalts und Mecklenburg-Vorpommerns versorgt werden - sechs Millionen Menschen, Umsatz über eine Milliarde Euro jährlich.

Ehemaliges Gaswerk Charlottenburg
Ehemaliges Gaswerk Charlottenburg, 1984, Landesbildstelle Berlin

Geprägt wurde der Charlottenburger Verbindungskanal einst durch die Bauten des (kurz hinter dem Spreekreuz liegenden) Elektrizitätswerks und der Gasanstalt der damals noch selbstständigen Stadt Charlottenburg. Das Kohlegaswerk zwischen Gaußstraße und der Bahntrasse wurde 1889 in Betrieb genommen. Zehn Jahre später das Kraftwerk, erbaut nach Plänen von Georg Klingenberg, gepachtet von der „Elektrizitäts-Aktiengesellschaft vorm. W. Lahmeyer & Co.“ Frankfurt am Main, dazu verpflichtet, Charlottenburg den „erforderlichen Strom für den Anschluss von 25.000 Glühlampen und für die Versorgung von Straßenbahnen“ zu garantieren sowie den Siemenssteg als Brücke für elektrische Leitungen und Fußgänger über die Spree zu errichten - da Charlottenburg jenseits des Flusses lag. Lastkähne brachten die Kohle, die Spree lieferte das Wasser für die Dampferzeugung.

Kraftwerk Charlottenburg
Kraftwerk Charlottenburg, 1900

Kraftwerk Charlottenburg, 1907
Kraftwerk Charlottenburg, 1907

Kraftwerk Charlottenburg, 2005
Kraftwerk Charlottenburg, 2005

1922, mit der Eingemeindung Charlottenburgs nach Groß-Berlin, übernahm die Bewag die Anlagen. 2001 wurde das Heizkraftwerk endgültig von Kohle auf Gas umgestellt. Damit wurde für den neuen Betreiber Vattenfall die Kohlenentladungsanlage am Spreeufer überflüssig. Obwohl das Gelände des Charlottenburger Kraftwerks in den Mauerjahren mehrfache (architektonisch und städteplanerisch fragwürdige) Erweiterungsbauten verkraften musste, hat sich der rote Ziegelbau der Maschinenhalle behauptet. Inzwischen gilt die Gesamtanlage als „ein wichtiges Zeugnis des Industriebaus. Die Denkmalwertigkeit des Kraftwerksgeländes begründet sich in der Exponiertheit der stadtraumprägenden Lage an der Spree gepaart mit einem vielschichtigen historischen Bedeutungsrahmen. Dabei ist neben der historischen und baugeschichtlichen Bedeutung auch technikgeschichtliche Relevanz immanent“.

Die Gasanstalt wurde bereits 1991 stillgelegt. Bis heute erhalten sind die beiden in den 1970er Jahren errichteten 50 Meter hohen Kugel-Hochdruckstahlbehälter. Das für die Gegend zuständige Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf von Berlin informierte darüber, dass die „beiden Kugeln im Sommer 2006 der Dibag Industriebau AG aus München übergeben wurden, die damit das gesamte Areal des alten Gaswerks besitzt“.

Wasserschutzpolizei
Wasserschutzpolizei

Nicht ohne Bedeutung ist, dass sich auf der zwischen Spree und Charlottenburger Verbindungskanal vorspringenden Landzunge bei km 0,10 die Wache 2 der Berliner Wasserschutzpolizei befindet. Sie untersteht der Direktion Zentrale Aufgaben (ZA). „Die vollzugspolizeiliche Betreuung der für Berlin so bedeutenden Wasserstraßen mit teils widersprechenden individuellen, gesellschaftlichen und gewerblichen Interessen und Bedürfnissen ist Aufgabe der Wasserschutzpolizei. Sie versieht auf den Wasserstraßen, in den Häfen sowie an den nur von der Wasserseite aus zugänglichen Ufern und Inseln einen am Bedarf des Schifffahrtsalltags orientierten Polizeiboot-Streifendienst.“ Die Wache 2 der Wasserschutzpolizei ist zuständig für: Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal bis Schleuse Plötzensee, Westhafenkanal, Westhafen, Charlottenburger Verbindungskanal, Landwehrkanal, Spree von Oberbaumbrücke bis Schleuse Charlottenburg und Spreekanal (Kupfergraben).