Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes


Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Berlin

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Inhalt: Geschichte

Brieskower Kanal (BkK) km 0,00 Abzweigung aus der Spree-Oder-Wasserstraße SOW (OSK) bei km 107,10 bis km 0,55 (ehemalige Schleuse Schlaubehammer)
Hinweis für Wassersportler:

Bei km 107,10 beginnt als früherer Teil des Friedrich-Wilhelm-Kanals der Altarm Schlaubehammer. Wegen der Aufschüttung eines Dammes ist dort keine Zufahrt zum Kanal mehr möglich. Diese befindet sich bei km 108,00.

Spree und Oder vor dem Bau des Friedrich-Wilhelm-Kanals
Spree und Oder vor dem Bau des Friedrich-Wilhelm-Kanals, Zeichnung Hans-Joachim Uhlemann

Am 25. April 1992 wurde in der Gemeinde Groß Lindow im Landkreis Oder-Spree der Förderverein „Friedrich-Wilhelm-Kanal 1992 e.V." gegründet. Sein Ziel ist die originalgetreue Wiederherstellung des Wasserbauwerks. Die Eigentumsverhältnisse konnten erst vier Jahre später geklärt werden. Rechtsnachfolger ist das Landesumweltamt Brandenburg. Fest steht inzwischen, dass das brandenburgische Verkehrsministerium „eine ablehnende Entscheidung zur Wiederschiffbarmachung getroffen“ hat. Da das Landesumweltamt aber die Stauhaltung sichern muss, teilte es am 11. August 2005 mit, dass diese nur in der temporären Teilverfüllung der Schleusen möglich sei. Die Gemeinde wehrt sich „gegen diese Art der Schleusensicherung“, und verlangt „eine schrittweise Reparatur der sieben Schleusen“, um den unter Denkmalschutz stehenden Kanal „in allen seinen Facetten nutzen zu können“.

Schleuse Finkenheerd
Schleuse Finkenheerd, 2007
Schleuse Weißenspring
Schleuse Weißenspring, 2007
 
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Schleuse Hammer, Quelle Situationsplan von Carl von Gloeden 1811

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Schleuse Brieskow, Quelle Plansammlung TU Berlin

Bei der Einweihung hieß der Kanal zunächst „Neuer Graben“, dann „Müllroser Kanal“ und schließlich „Friedrich-Wilhelm-Kanal“. Offiziell heißt er seit 1951 „Brieskower Kanal", inoffiziell seit einigen Jahren auch „Friedrich-Wilhelm-Kanal“.

Die Pläne für einen Kanalbau von der Spree bis zur Oder gehen zurück auf das Jahr 1373. Als Kaiser Karl IV. die Herrschaft über die Mark Brandenburg erreicht hatte, strebte er eine schiffbare Verbindung nach Schlesien an. Realisiert wurde - die älteste Verbindung zwischen Spree und Oder - letztendlich zwischen 1662 und 1668 in der Zeit des Großen Kurfürsten. Die Bauleitung oblag dem italienischen Ingenieur Philippe de Chiese, für Schleusen und Brücken war der holländische Baumeister Michiel Mattysz Smidts (1626-1692) zuständig. Der erste deutsche Scheitelkanal (zur Überwindung der Wasserscheide) bekam 2 Kammerschleusen und 1 Fangschleuse für die Trasse Spree bis Scheitelhaltung, für das Teilstück bis zur Oder 11 Kammerschleusen und 1 Fangschleuse.

Karte des Friedrich-Wilhelm-Kanals von 1670
Älteste Karte des Friedrich-Wilhelm-Kanals von 1670, Quelle Staatsbibliothek Berlin

Im Müllroser Kirchenbuch ist vermerkt: „Anno 1662 am 7. Juni ist die kurfürstliche Durchlaucht bei der Kaisermühl angelangt und am folgenden Tag der Anfang zum Schiffgraben gemacht worden." Sechs Jahre später lud Friedrich Wilhelm I., Kurfürst von Brandenburg und Herzog von Preußen, im August zu einer Festtafel auf der Sohle ein. Anschließend wurde der Kanalabschnitt geflutet und die Gesellschaft befuhr den „Neuen Graben“.

Die 24 Kilometer lange Wasserstraße zweigte bei Neuhaus vom Wergensee (Spree) ab und stieg bei mittlerem Gefälle von 18,6 Meter mit 13 Schleusen zur Oder bei Brieskow hinab. Der vom Wergensee bis Müllrose gegrabene Kanal folgte im allgemeinen dem Lauf der Schlaube (sonst aber in einem separat gegrabenen Bett) und mündete in den Brieskower See, einer Seitenbucht der Oder. Mit seinem trapezförmigen Querschnitt erreichte er eine Wasserspiegelbreite von etwa 18 Meter und eine Tiefe von etwa 2 Meter. Die Schleusenkonstruktion bestand aus Eichenholz. Eine Schleusung dauerte je nach Wasserstand zwischen 15 bis 45 Minuten. Ein Kahn konnte 5 bis 7 Tonnen Ladung aufnehmen. Die Fortbewegung auf dem Kanal geschah durch Treideln oder Staken, bei Wind wurden auch Segel gesetzt.

Am 27. Februar 1669 gingen die ersten fünf Oderkähne in Breslau ab, passierten am 8. März den Neuen Graben und kamen am 12. März in Berlin an. Vor dem Bau des „Friedrich-Wilhelm-Kanals“ fuhren die Schiffe nach Frankfurt an der Oder. Nach dem Entladen wurden die Waren auf dem Landweg zum Kersdorfer See transportiert, dort wieder auf Schiffe geladen und über die Spree nach Berlin und weiter nach Hamburg gebracht.

Schmettau’sche Karte von 1787
Schmettau’sche Karte von 1787,Quelle Staatsbibliothek Berlin

In der Folgezeit wurde die Zahl der Schleusen auf 9 Kammerschleusen und 1 Fangschleuse reduziert. Zwischen 1827 und 1868 wurden die Anlagen - nach dem Vorbild des Finowkanals - erneuert: Das Kanalbett vertieft, die Ufer befestigt, die Schleusen durch Steinbauwerke ersetzt. Bei einer Kammerlänge von 40,5 Meter und einer Torweite von 5,3 Meter konnten sie nun zwei Finowmaßkähne (40,2 x 4,6 x 1,4 Meter) aufnehmen.

Gedenkstein an der Schleuse Finkenheerd
Gedenkstein an der Schleuse Finkenheerd

Da der „Friedrich-Wilhelm-Kanal" zunehmend an seine Kapazitätsgrenze geriet, für Schleppdampfer mit mehr als einem Kahn zu eng und wegen der dichten Folge von Schleusen auch unwirtschaftlich war, wurde von 1887 bis 1891 zwischen dem Seddinsee und Fürstenberg an der Oder unter teilweiser Nutzung der bisherigen Trasse der Spree-Oder-Kanal gebaut. Das 11,2 Kilometer lange Teilstück zwischen Schlaubehammer und Brieskow verlor seine Bedeutung für den Schiffsverkehr. Als kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges Schleusen und Brücken gesprengt wurden, war eine Schiffsfahrt nicht mehr möglich. Die Wiederherstellung des Schifffahrtsweges erwies sich bereits in den 1950er Jahren als nicht mehr erforderlich. Die Anlage blieb sich selbst überlassen und zerfiel zusehends.

Der Außenbezirk Fürstenwalde des Wasser- und Schifffahrtsamtes Berlin betreut vom „Friedrich-Wilhelm-Kanal“ lediglich das 550 Meter lange Teilstück vom Abzweig aus der Spree-Oder-Wasserstraße (SOW) bis zur ehemaligen Schleuse Schlaubehammer. Dementsprechend vermerkt die Bundeswasserstraßenkarte der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Ost in der Ausgabe 2001 über den Brieskower Kanal (BkK): „Nicht schiffbar“.

Brieskower Kanal
Brieskower Kanal (Friedrich-Wilhelm-Kanal)
bei Gross Lindow
bei Gross Lindow, 2007