Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes


Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Berlin

Hier gelangen Sie direkt zum Inhalt der Seite.

 

Hauptnavigation:


Inhalt: Geschichte

Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal (BSK)

Der Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal verbindet Spree und Havel. Er ist 12,1 Kilometer lang. Vor dem Berliner Hauptbahnhof zweigt er am rechten Ufer aus der Spree ab. Unmittelbar danach folgt der Humboldthafen und 1,25 Kilometer von diesem entfernt, an der Einmündung der Panke, der Nordhafen. Knapp zwei Kilometer weiter befindet sich der Westhafen. Bei Kilometer 7,9 sorgt die Schleuse Plötzensee für den Pegelausgleich zwischen Spree und Havel. Unter der A 111 hindurch und zwischen Flughafen Tegel und Volkspark Jungfernheide vorbei mündet der Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal zwischen Spandauer und Tegeler See in die Havel.

Die Idee für diese direkte Wasserstraßenverbindung zwischen den damals noch selbständigen Städten Berlin und Spandau und weiter über den Finowkanal zur Oder kam 1842/43 auf. Unter Berücksichtigung der Hinweise von Peter Joseph Lenné wurde der Kanal in den Jahren von 1848 bis 1859 erbaut.1891/92 erhielt die Spreehaltung des Kanals Steilufer, so dass er die größeren Plauermaß-Schiffe aufnehmen konnte. 1910/16 wurde ein Teil des Berlin-Spandauer Schifffahrtskanals zum Großschifffahrtsweg Berlin-Stettin. In den Jahren 1933 bis 1939 wurde die Wasserstraße zwischen Plötzensee-Schleuse und Havel-Mündung mit einer Wasserspiegelbreite von 53 Meter und einer Wassertiefe von 3,20 Meter ausgebaut.

Humboldthafen, 1875
Humboldthafen, 1875

Humboldthafen vor dem Stadtbahnbau
Humboldthafen vor dem Stadtbahnbau mit Lehrter und Hamburger Bahnhof, 1887

Humboldthafen,Grundriss von 1896
Humboldthafen,Grundriss von 1896

Eine Fahrt auf dem Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal gehört nicht zu den gefragten Touren der Ausflugsschiffe. Die meisten von ihnen schwenken am Kilometer 14,51 der Spree-Oder-Wasserstraße (SOW) in den Humboldthafen ein, drehen auf dieser Wasserfläche von 33500 Quadratmetern eine Runde zur Besichtigung des Berliner Hauptbahnhofs und fahren wieder hinaus.

Als der Humboldthafen 1848–1850 angelegt war, entstanden ringsum Ladestraßen und Flächen für den Güterumschlag. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam der Betrieb zum Erliegen, mit dem Bau der Mauer verlief mitten durch Hafenbecken und Kanal die Grenze. Das östliche Ufer wurde Sperrgebiet. Längst kann die Wasserstraße von der Binnen- und Ausflugsschifffahrt wieder befahren werden, auf Grund der unübersichtlichen und engen Kurven jedoch nur im Richtungsverkehr und nicht von Sportbooten.

Stadtbahntrasse über dem Humboldthafen
Stadtbahntrasse über dem Humboldthafen

Lehrter Bahnhof 1911
Lehrter Bahnhof 1911

Hauptbahnhof
Hauptbahnhof, unter der Brücke Einfahrt zum Humboldthafen

Neue Bahntrasse
Neue Bahntrasse zwischen Bahnhof Gesundbrunnen und der Tiefebene des Hauptbahnhofs

Am Humboldthafen hat sich zwischen 1995 und 2006 wahrhaft Gewaltiges vollzogen: Aus dem Lehrter Bahnhof für Fernzüge und dem Lehrter Stadtbahnhof für die S-Bahn wurde Berlin-Hauptbahnhof. Da wurde das Bett der Spree verlegt, da wurde unter Fluss und Tiergarten ein Tunnel gebaut, vier Röhren für die Bahngleise, zwei für die U-Bahn, eine für den Straßentunnel, da wurde für Fern- und S-Bahn über den Humboldthafen über den Humboldthafen eine 240 Meter lange mehrfeldrige Brücke mit einer Hauptspannweite von 60 Meter errichtet, damit das für die Schifffahrt frei zu haltende Lichtraumprofil garantiert wird. Letztendlich hat sich die Stadt mit dem ober- und unterirdischen Kreuzungsbauwerk Berlin-Hauptbahnhof auch von seinen (historisch entstandenen) Kopfbahnhöfen verabschiedet.

Von 1868 bis 1871 baute die Magdeburg-Halberstädter-Eisenbahn-Actiengesellschaft die 239 Kilometer lange Bahnstrecke Hannover-Lehrte-Berlin. Unmittelbar neben dem Hamburger Bahnhof entstand der Kopfbahnhof Lehrter Bahnhof. Gut zehn Jahre später wurde nebenan der Lehrter Stadtbahnhof errichtet, der 1930 zum S-Bahnhof wurde und mit der Teilung der Stadt „Letzter Bahnhof in Westberlin - nächster Halt Friedrichstraße“.

Im Zweiten Weltkrieg wurde aus dem Lehrter Bahnhof eine Ruine. Der Lehrter Stadtbahnhof blieb erhalten, wurde zum Denkmal erklärt, 1987 aufwändig saniert und 2002 für den Bau des neuen Hauptbahnhofs abgerissen. Die Idee dafür war nicht neu, da bereits 1907 erwogen wurde, den Bahnhof Papestraße zum Südbahnhof, den Bahnhof Gesundbrunnen zum Nordbahnhof und den Lehrter Bahnhof zum Zentralbahnhof Berlins zu machen. Auf dem vom Architekten Meinhard von Gerkan entworfenen Etagenbahnhof halten seit dem 28. Mai 2006 die Fern-, Regional- und S-Bahnzüge auf der aufgeständerten und in west-östlicher Richtung verlaufenden Stadtbahnebene oder fahren (bis auf die S-Bahn) auf den in nord-südlicher Richtung verlaufenden Gleisen in der Tiefebene ein – geplant ist, eine teilweise vorhandene unterirdische S-Bahn-Strecke vom Nordring über den Hauptbahnhof und den Potsdamer Platz über die Trasse der ehemaligen Berlin-Potsdamer Eisenbahn zum Südring zu führen.

Museum für Gegenwart
Museum für Gegenwart im ehem. Hamburger Bahnhof

Humboldthafen
Humboldthafen, Einfahrt zum Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal, links die Charité

Bundesministerium Wirtschaft und Technologie an der Sandkrugbrücke
Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie an der Sandkrugbrücke

Begrenzt wird der Humboldthafen von geschichtsträchtigen Gebäuden: An der Sandkrugbrücke ist in das Invalidenhaus, das Friedrich II. von Preußen 1747/48 als Unterkunft für Kriegsversehrte bauen ließ, das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie eingezogen. Gut gedacht, damals, da sich seit 1710 nebenan mit der Charité ein Klinikum entwickelte, das mit Hufeland, Virchow, Koch und Sauerbruch später weltberühmt wurde. Geblieben ist auch der Hamburger Bahnhof, der 1846/47 als Endbahnhof der Berlin-Hamburger Bahn erbaut wurde. 1884 wurde der Bahnhof stillgelegt und beherbergte ab 1906 das Königliche Bau- und Verkehrsmuseum. In diesem spätklassizistischen Bau wurde 1996 das Museum für Gegenwart eröffnet.

In dieser Gegend soll in den nächsten Jahren das „Lehrter Stadtquartier" entstehen. Die Idee für eine Randbebauung ist nicht neu. Bereits 1921 überraschte der Architekt Richard Ermisch mit dem Entwurf eines etwa zehngeschossigen rechteckigen Kubus, der von pyramidenartig zurückspringenden Geschossen gekrönt sein sollte.

Hochhaus am  Humboldthafen
Hochhaus am Humboldthafen, Entwurf Richard Ermisch 1921

Wachturm an der Kieler Straße
Wachturm an der Kieler Straße

Vorbei am alten Invalidenfriedhof, von dem große Teile einst für den Mauerstreifen eingeebnet wurden, und am erhaltenen Wachturm der DDR-Grenzposten an der Kieler Straße, geht die Fahrt zum Nordhafen. 1856/58 wurde er gebaut, gut einhundert Jahre später 1966 stillgelegt. Rings um das Hafenbecken, 250 Meter lang, 130 Meter breit, ist eine Oase am Wasser entstanden. Nicht zu vergessen ist die Panke, neben Spree und Havel der dritte Berliner Fluss, der vor dem Hafen in den Kanal mündet.

Mündung der Panke am Nordhafen
Mündung der Panke am Nordhafen

Das Kraftwerk Moabit am Friedrich-Krause-Ufer wurde 1899/01 nach Plänen von Franz Schwechten errichtet, von dessen Bauten der Weltkrieg eigentlich nur Fragmente gelassen hat – der Turm der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche gehört dazu. Der Standort des Kraftwerks war von den Berliner Elektricitäts-Werken wohl bedacht. Aus dem Kanal kam das Kühlwasser, über den Kanal bis heute die Kohle – vorrangig aus dem Gebiet um Wrocław über Oder, Schiffshebewerk Niederfinow, Havel-Oder-Wasserstraße und schließlich Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal.

Kraftwerk Moabit
Kraftwerk Moabit


Kohlekahn am  Kraftwerk Moabit
Kohlekahn aus Wrocław am Kraftwerk Moabit

Unmittelbar nebenan befindet sich die S- und U-Bahn-Station Westhafen. Die S-Bahnhof wurde 1897/98 als Station der Ringbahn und der U-Bahnhof der Linie U 9 kurz nach dem Mauerbau am 28. August 1961 unter dem Namen Putlitzstraße eröffnet. Seit 1992 nennt sich dieser Umsteigebahnhof Westhafen.

Westhafen, südliches Becken
Westhafen, südliches Becken

Der Westhafen ist mit einer Fläche von 430.000 Quadratmetern der größte Berliner Hafen. Er ist über den Westhafenkanal und den Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal mit Spree, Havel und in der Folge über den Mittellandkanal mit der Elbe und über die Havel-Oder-Wasserstraße mit der Oder verbunden.

Westhafen, Grundriss
Westhafen, Grundriss

Das Gelände erwarb die Stadt Berlin 1906. Mit dem Bau des Westhafens nach Plänen von Baurat Friedrich Krause (Tiefbau) und den Architekten Richard Wolffenstein und Wilhelm Cremer (Lager, Speicher, Hafen) wurde 1914 begonnen. Am 3. September 1923 konnte die BEHALA (Berliner Hafen- und Lagerhaus AG) als Betreibergesellschaft einen Teilbereich in Betrieb nehmen. Mit der Erweiterung zwischen 1924 und 1927 wurde der Westhafen zeitweilig zweitgrößter Binnenhafen Deutschlands.

Westhafen, Lagerhaus
Westhafen, Lagerhaus

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren 60 Prozent der Hafenanlagen zerstört. In den 1950er und 1960er Jahren wurde er für den Umschlag zwischen Binnenschiff, Eisenbahn und Lastwagen ausgebaut. In einen denkmalgeschützten Getreidespeicher zog nach der Sanierung 1997 das Zeitungsarchiv der Berliner Staatsbibliothek ein. Obwohl die Bundesregierung 1991 den Westhafen zum Bestandteil des „Verkehrsprojekts 17 Deutsche Einheit“ erhoben hatte, wurde 2001 der jüngste der ursprünglich drei Hafenbecken zugeschüttet.

Schleuse Plötzensee,  Oberwasser
Schleuse Plötzensee, Oberwasser

Arbeitsschiff des WSA Berlin
Schleuse Plötzensee, Arbeitsschiff des WSA Berlin in der Südkammer

Zur Anlage des Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanals gehörte von Anbeginn die Schleuse Plötzensee. Ihre Aufgabe am Wasserstraßen-Kilometer km 7,45 besteht darin, die unterschiedlichen Wasserstände von Havel und Spree auszugleichen. Als sie 1859 der Schifffahrt übergeben wurde, betrugen die nutzbaren Maße 47,50 x 6,04 Meter. Die nutzbaren Abmessungen der Schleuse werden heute mit einer Kammerlänge von 67,20 m, einer Kammerbreite von 10,00 und einer Hubhöhe von 0,70 Meter angegeben.

Schleusenhaus auf der Schleuseninsel
Schleuse Plötzensee, Schleusenhaus auf der Schleuseninsel

Schleuse Plötzensee, Steuerstand
Schleuse Plötzensee, Steuerstand

Inzwischen wurde auf der Schleuseninsel ein zentraler Steuerstand mit computergesteuerten Systemen, eine Audio- sowie eine Videoüberwachungsanlage eingerichtet, so dass die Nordkammer von einem Mitarbeiter bedient werden kann. Während der Instandsetzung wurden die Antriebe für das Klapptor am Oberhaupt und das Stemmtor am Unterhaupt erneuert und die Ölhydraulik durch Elektrohubzylinder ersetzt. Zur Freihaltung der Stemmtornischen von Geschwemmsel und Eis wurde eine Luftsprudelanlage installiert. Für die Sportbootschifffahrt wurden sowohl im oberen als auch im unteren Vorhafen Warteplätze eingerichtet.

Wer auf dem Flughafen Tegel startet oder landet, kommt davor nicht darum herum, die General-Ganeval-Brücke über den Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanal zu benutzen. Benannt wurde sie nach General Jean Ganeval, der vom Oktober 1946 bis Juni 1950 als Kommandant der Militärregierung für den französischen Sektor von Berlin tätig war. Zu seiner Lebensgeschichte gehört, dass er nach der Kapitulation Frankreichs für die Résistance arbeitete, 1943 von der Gestapo verhaftet und im Konzentrationslager Buchenwald interniert wurde.  und das erst nach der Befreiung 1945 verlassen konnte. An Jean Ganeval, dies sei angemerkt, sollte mehr als eine Brücke mit seinem Namen erinnern, weil sein unbedingter Versöhnungswille viel zum Verständnis zwischen Deutschen und Franzosen beigetragen hat.

Das Kanalstück unmittelbar nach der Brücke und südlich des Flughafens Tegel wird mitunter auch Regattastrecke genannt. Am Ufer sind zerfallende Tribünen und ein Zielturm in ebensolchem Zustand letzte Zeugen von ehemaligen Ruderwettbewerben. Geblieben ist hinter den Büschen wohl einzig das Landesleistungszentrum Rudern.

Landesleistungszentrum Rudern
Landesleistungszentrum Rudern

Als in den Jahren zwischen 1910 und 1916 der Ausbau des Großschifffahrtsweges Berlin-Stettin erfolgte, wurden Teile der Trasse des Berlin-Spandauer Schifffahrtskanals einbezogen. Kurz vor Gartenfeld teilt sich die Wasserstraße. Links geht der historische Teil des Kanals ab, der nun „Alter Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal“ genannt wird, geradeaus geht es auf direktem Weg zur Havel. Vor allem dieser Abschnitt wird auf manchen Landkarten als „„Hohenzollernkanal“ bezeichnet. Die beiden Kanäle haben schließlich dazu geführt, dass der Spandauer Industriebereich an der Gartenfelder Brücke ein Inseldasein führt und mitunter als Gartenfelder Insel bezeichnet wird.

Siemens Kabelwerk,Lageplan von 1922
Siemens Kabelwerk,Lageplan von 1922

„Kabelwerk for rent” heißt es dort und „one of the worlds most exciting event locations”. Das ehemalige Siemens Kabelwerk kann für Events angemietet werden. Der Architekt Karl Janisch schuf dort 1911/13 im Auftrag der Siemens Halske AG den damals größten zusammenhängenden Hallenkomplex Europas. In diesem kulturhistorisch bedeutenden Industriebauwerk wurden bis 2002 Kabel, Drähte, Leitungen nebst Isoliermaterialien für Strom-, Nachrichten- und Hochfrequenztechnik hergestellt.

Aufriss und Querschnitt des Kabelwerks von 1928
Grundriss, Aufriss und Querschnitt des Kabelwerks von 1928

Belgienhalle
Die so genannte Belgienhalle mit Walzenstraße um 1926

Am Westzipfel der Insel finden die beiden Wasserstraßen wieder zusammen um kurz danach als heutiger Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanal in die Havel zu münden.